Schweinehaltung Österreich – short facts

Im heutigen Artikel will ich kurz und prägnant die österreichische Schweinehaltung vorstellen. Aber auf was soll Augenmerk gelegt werden bei einem so großen Thema? Ich habe mich dazu entschieden, einen kurzen Überblick über die verschiedenen Haltungsformen in Österreich zu geben. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Unterschiede entweder zu krass oder gar nicht wahrgenommen werden. Deshalb werde ich zu jeder Haltungsform einen kurzen Einblick geben. Weiter habe ich eine Tabelle gestaltet, die meiner Meinung nach eine gute Übersicht gibt. Zum Schluss will ich ein paar Vorurteile über die Schweinehaltung entkräften.

Ich selbst bin auf einem Schweinezuchtbetrieb aufgewachsen. Der Hof wurde lange konventionell bewirtschaftet, bis mein Vater beschloss, unsere Tiere nach Bio-Standards zu halten. Dank meiner Ausbildung und meiner Herkunft habe ich einen Einblick in die Landwirtschaft in Österreich bekommen. Für nähere Infos könnt ihr gerne hier nachlesen. Ich stelle hier nur die zwei relevantesten Haltungsformen vor. Alle neuen Formen wie „Fair Hof“ usw. werde ich nicht vorstellen, weil es sich hierbei nur um gute Marketingkonzepte handelt, die genau wie konventionelle Betriebe von der AMA und ansonsten von keiner unabhängigen Zertifizierungsstellen geprüft werden und darum zur konventionellen Schweinehaltung.


biologisch konventionell
Anbindehaltung verboten verboten
Einstreu Stroh verpflichtend freiwillig
Säugezeit 6 Wochen 4 Wochen
GMO Futter verboten  erlaubt
Auslauf verpflichtend freiwillig
Kürzen des Schwänzchens verboten  erlaubt
Impfen  erlaubt erlaubt
Einsatz von Hormonen verboten  erlaubt

biologische Haltung: Landrasse Zuchtsau mit F1 Ferkel (Landrasse x Edelschwein) weibliche Tiere werden zur Zucht verwendet, männliche Tiere gemästet 

Konventionelle Schweinehaltung

Die konventionelle Haltung ist die gängigste Form der Schweinehaltung. Die Schweine werden zum größten Teil gruppenweise in Ställen ohne Stroh gehalten. In jedem Stall muss sich eine Liegefläche befinden, diese darf nicht aus Spalten bestehen. Wenn doch, muss Stroh oder ähnliches den Tieren zur Verfügung gestellt werden. Der restliche Stall besteht meist aus Spaltenboden, damit Feuchtigkeit schnell abfließen kann.

Zuchtsauen werden mit Hormonen behandelt. Dadurch wird die Empfängnisbereitschaft („rauschen“) zeitlich aufeinander anpasst damit alle Sauen zur gleichen Zeit „werfen“ (ihre Ferkel bekommen). In der Fachsprache wird das „synchronisieren“ genannt. Dies geschieht meist nur auf großen Zuchtbetrieben, Wenn die Ferkel zur Welt kommen ist die Sau in einer Abferkelbucht mit Ferkelschutzkorb. Das bedeutet, dass sie sich in einem Kastenstand befindet, in dem sie sich nicht nach vor oder zurück bewegen kann. Der Nutzen dabei ist, dass sie so keine Ferkel erdrücken kann. Nachteilig ist jedoch, dass sie ihrem Nestbauverhalten nicht nachkommen kann und die Mutter-Kind-Beziehung nicht ausleben kann. Den Ferkeln wird der Schwanz gekürzt, damit sie sich nicht gegenseitig daran beißen können. Denn steht Schweinen zu wenig Beschäftigungsmaterial zu Verfügung, fangen sie an, an den Schwänzen ihrer Kollegen herumzubeißen. Sobald ein Ferkel blutet, gehen die anderen regelrecht darauf los. Wirklich nicht schön anzusehen. 

Nach vier Wochen werden die Ferkel abgesetzt, das bedeutet, dass sie in einen anderen Stall kommen und die Muttersau zurück in den Wartestall kommt bis sie wieder belegt (trächtig) wird.

Je höher das Gewicht der Schweine, umso mehr Platz muss ihnen zur Verfügung gestellt werden. Die Schweinemast erfolgt ebenso in der Gruppenhaltung. In der konventionellen Schweinehaltung ist weder Stroh noch Auslauf Pflicht. Das Schwein wird ca. 110 Tage gemästet und hat bei der Schlachtung Anspruch auf ca. 0,77m2. Beschäftigungsmaterial muss ihnen zur Verfügung gestellt werden. 

Geimpft wird nur dann, wenn es notwendig ist, aus dem einfachen Grund, weil es teuer ist. Gefüttert werden darf neben synthetischen Aminosäuren auch GMO (genetic modified organsim) Futter, jedoch wird meist das gefüttert, was auf dem eigenen Betrieb produziert wird. Grund dafür sind wieder schlicht und ergreifend die Kosten. 

Landrasse Zuchtsau in biologischer Haltung

Biologische Schweinehaltung

Auch biologisch gehaltene Tiere leben in Gruppen, jedoch ist hier Stroh und Auslauf Pflicht. Auch in biologischen Ställen muss sich eine Liegefläche befinden. Spaltenboden ist teilweise im Auslaufbereich der Tiere erlaubt. Der Auslauf darf nicht zu 100% überdacht sein.

Die Behandlung des Tieres mittels Hormone („synchronisieren“) ist ausnahmslos verboten. Beim Werfen (Geburt) der Ferkel darf die Sau nicht befestigt sein. Das kann vor allem bei der Geburt der Ferkel zu Problemen führen. Manche Sauen wollen im Auslauf werfen und die frisch geborenen Ferkel unterkühlen dadurch, auch im Hochsommer. Das Schwänzchen der Ferkel darf nicht entfernt werden. Die Ferkel müssen mindestens 40 Tage (ca. 6 Wochen) bei der Muttersau bleiben. 

biologische Haltung: F1 Ferkel (Landrasse x Edelschwein) beim Säugen

Nach 40 Tagen Säugezeit kommt die Sau, gleich wie in der konventionellen Haltung, in den Wartestall, wo sie wieder belegt wird. 

Die Ferkel einer zugekauften Sau werden als Bio-Ferkel geboren und aufgezogen.

Ein biologisch gehaltenes Schwein hat mit insgesamt (inkl. Auslauf) 2,3 m2 dreimal soviel Platz als ein konventionell gehaltenes Schwein, dazu noch Stroh. Die Mastdauer kann sich bei biologisch gehaltenen Tieren verzögern, weil sie durch ballaststoffreicheres Futter unter Umständen erst zu einem späteren Zeitpunkt (meist 1-2 Wochen) das Mastendgewicht von ca. 120kg erreichen. 

Das Futter der Tiere muss zu 100% biologischer Herkunft sein, bevorzugt aus dem eigenen Betrieb. GMO-Futter, Extraktionsschrot und synthetische Aminosäuren sind in der biologischen Landwirtschaft ausnahmslos verboten. 

Bio-Betriebe werden jährlich kontrolliert. Ich durfte schon einmal bei einer Kontrolle anwesend sein und kann euch sagen, da wird jedes Blatt umgedreht, jede noch so kleine Rechnung kontrolliert und wirklich auf jedes Detail geachtet. 

Diese Komponenten bestimmen den Preisunterschied zwischen Biofleisch und Fleisch aus herkömmlicher Schweinehaltung. 

biologische Haltung: Zuchtsau (Pietrain) Ferkel (Pietrain x Schwäbisch-Hällisches Landschwein)

Nun will ich euch Antwort zu einigen weitverbreiteten Statements geben:

Warum will mir der Bauer den Stall nicht zeigen?

Oft wird das Verhalten eines Landwirtes falsch interpretiert. Es wird vermutet, dass der Landwirt etwas zu verheimlichen hat. Grund für dieses Verhalten ist jedoch nicht, dass der Landwirt etwas verbergen will. Sehr viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Landwirt sich um die Gesundheit seiner Tiere sorgt. Alle landwirtschaftlichen Betriebe, aber vor allem Betriebe, in denen Ferkel gezüchtet werden, haben ein sehr sensibles hygienisches Gleichgewicht. Dieses kann schnell durch Bakterien an den Schuhen der Menschen in Unordnung gebracht werden. Ein Außenstehender, der auf einen funktionierenden Betrieb kommt, muss in vielen Fällen die Schuhe wechseln. Als Beispiel aus der Praxis kann ich sagen, dass unsere Tierärztin niemals den ganzen Tag dieselben Schuhe trägt. Bei jedem Betrieb hat sie ihr Paar (natürlich vom Betrieb zur Verfügung gestellt), damit sie keine Bakterien von Betrieb zu Betrieb bringt. So ist es mit jeder anderen Person. Jede Person bringt durch die Schuhe, Jacke usw. Bakterien mit.

Schweine in biologischer Haltung werden nicht geimpft!

Das stimmt nicht. Bioschweine werden geimpft. In der biologischen Landwirtschaft geht es um die Steigerung des Tierwohls. Wenn das Tier krank ist, dann wird es behandelt, damit es wieder gesund wird. Diese Tiere werden dann nach einer vorgeschriebenen Wartezeit (doppelt oder dreimal so lange als bei konventionellen, je nach Medikament) geschlachtet und verzehrt. 

Alle Schweine in Österreich leben auf Stroh!

Nein, das stimmt nicht. Produkte aus der österreichischen Landwirtschaft zählen durch die eher kleinstrukturierten Familienbetriebe und die strengen Tierhaltungsrichtlinien zu den umweltfreundlichsten, die in unseren Geschäftsregalen zu finden sind. Aber von der ständigen Verfügbarkeit von Stroh für jedes Schwein sind wir noch weit entfernt. 

In der biologischen Haltung ist Stroh für die Schweine Pflicht. In der konventionellen Schweinehaltung kann Stroh als Beschäftigungsmaterial angeboten werden, muss es aber nicht. 

Meiner Meinung nach ist Stroh sehr wichtig für die Schweine, da sie dadurch ihren natürlichen Drang zu wühlen ausleben können. 

Bio-Schweine leben in der Natur!

Nein! 

Die Werbung suggeriert glückliche Bio-Schweine, die auf der Weide leben und sich in Pfützen suhlen können. Fakt ist, dass es sich hierbei um Freilandhaltung und nicht um Biohaltung handelt.

Meiner Meinung nach kann hier der Trugschluss entstehen. Der Bevölkerung wird durch die Werbung der Eindruck vermittelt, dass biologisch gehaltene Schweine auf der Weide leben und konventionell gehaltenen Schweinen Stroh zur Verfügung steht. Diese Annahme ist falsch!

biologische Haltung: Landrasse Zuchtsau wühlt im Stroh

Jeder Betrieb ist gleich!

Ja es stimmt, die Tiere haben bei jeder Haltungsform andere Mindestansprüche. Ich kenne Betriebe, welche nicht biologisch wirtschaften oder noch nicht einmal das AMA-Gütesiegel haben, die Schweine jedoch in echtem Dreck wühlen dürfen. Also bitte nicht alle über einen Kamm scheren. Informieren und dann entscheiden. 

Landwirte wollen nur Profit machen, das Tierwohl ist ihnen egal!

Jeder Landwirt arbeitet tagtäglich mit den Tieren. Bei einem Familienbetrieb wird sehr wohl beim gemeinsamen Essen über die Krankheiten der Tiere gesprochen. Kein Landwirt hat Freude daran, ein Tier leiden zu sehen. Klar sieht ein Landwirt ein Nutztier anders als ich meine beiden Haushunde. Die Gesundheit meiner Hunde wirkt sich aber auch nicht auf meine finanzielle Situation aus. 

biologische Haltung: F1 Ferkel (Edelschwein x Landrasse) beim Säugen

Das sind die Richtlinien für Bio- und AMA-zertifiziertes Fleisch aus Österreich. Alles andere wird nicht unter diesen Bedingungen produziert. Also achtet penibel darauf. 

Jedes Schwein in Österreich ist ab Geburt registriert. Keines kann einfach verschwinden und es können keine Schweine vom Ausland „hinzugeschleust“ werden. Diese Fälle werden strafrechtlich gehandelt. Das ist kein Kavaliersdelikt und wird nicht unter den Teppich gekehrt. 

Aufgrund der eben erwähnten sehr großen Haltungsunterschiede favorisiere ich persönlich die die biologische Schweinehaltung. Ich habe diese großen Haltungsunterschiede nie verstanden, doch der Konsument bekommt das, was er bezahlt. Gute Qualität und tiergerechte Haltung haben einfach ihren Preis und ist der Konsument nicht bereit, diesen Preis zu bezahlen, sollte er jedoch wissen, dass sich dies auf die Art der Haltungsbedingungen auswirkt.

Falls auch das noch nicht genug ist, könnt ihr gerne hier weiterschmökern:

https://amainfo.at/fileadmin/user_upload/Dokumente/Alle_Dokumente/Alle_Dokumente/AMA-Gütesiegel_Richtlinie_Schweinehaltung.pdf

https://www.bio-austria.at/bio-bauern/beratung/tierische-erzeugung/schweine/haltung/

https://www.biola.at/bio-schweinehaltung-in-oesterreich/articles/bio-schwein-in-oesterreich.html

https://www.landschafftleben.at/lebensmittel/schwein

Die Zahlen wurden im November 2018 auf diesen Website recherchiert. Alle Fotos sind von mir auf meinem elterlichen Betrieb gemacht worden. Sie sind mein Eigentum und repräsentieren die biologische Schweinehaltung. 

©nakokoblog

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