Konsumieren und Weihnachten feiern

Es ist Mitte November, in den Läden finden wir Schokonikoläuse und die Weihnachtsbeleuchtung wird eifrig in den Straßen aufgehängt. So wie jedes Jahr um diese Zeit. Es ist bloß die persönliche Wahrnehmung, die einen glauben lässt, dass es jedes Jahr ein bisschen früher ist. Und zugegeben spielt das Wetter auch nicht in die Karten der Weihnachtsstimmung, dieses Jahr ist es noch so warm.

Doch was mir dieses Jahr wie Schuppen von den Augen gefallen ist, ist der damit einhergehende Konsum an jeder Ecke. Klar dass die Weihnachtszeit die konsumstärkste Zeit des Jahres ist. Aber wie definiert jeder für sich die Weihnachtszeit? Beginnt die Weihnachtszeit schon jetzt, Mitte November? Beginnt sie mit dem Advent? Beginnt sie mit dem Weihnachtsfest und endet dann mit dem 6. Jänner (Heilige Drei Könige)? Oder beginnt sie wenn alle Geschenke besorgt und hübsch verpackt sind? Für mich hat die Weihnachtszeit immer mit den Punschständen und dem Advent begonnen. Doch dieses Jahr habe ich das Gefühl, das ist dem Handel und der Wirtschaft schon zu spät.

Es hat schon immer tolle Adventskalender gegeben. Selbstgebastelt oder von tollen Marken mit tollen Sachen darin. Vor ein paar Jahren, als ich so einen speziellen Kalender zum ersten Mal entdeckte, war ich ganz scharf darauf. Wow, jeden Tag eine tolle Kleinigkeit, nicht bloß langweilige Schokolade. Die Vernunft hat sich dann aber gegen einen Kauf ausgesprochen, außerdem ist so ein Adventkalender ja sowieso etwas, das man sich schenken lässt und nicht selber kauft. Nun gut, die Jahre vergingen und die Adventkalederindustrie (ich nenn das hier jetzt einfach mal so), hat ordentlich zugelegt. Und da passierte es. Ich hüpf zum DM rein weil ich noch etwas holen will, sehe ich da einen riesen Berg an Adventkalendern vor mir aufgebaut, für jede Lebenslage, alles was der DM so zu bieten hat, in verschiede Kalender verpackt. Daraufhin habe ich mich auch sonst ein bisschen umgesehen, um sicherzugehen, dass das jetzt nicht nur meine Wahrnehmung war die mich aus dem Herbst in die Weihnachtszeit geholt hat. Und ja es stimmt, es ist gerade Mitte November und der Handel scheint beschlossen zu haben dass wir jetzt mit dem Weihnachtskonsum beginnen sollten.

Diese Erkenntnis hat mich dazu gebracht, einen Schritt zurück zu gehen und das Ganze kurz von außen zu betrachten. Auf der einen Seite die bunten Girlanden, die süßen Kekse und das Trällern der Weihnachtslieder aus gefühlt mehr Lautsprechern als es tatsächlich gibt. Und auf der anderen Seite das, was Weihnacht wirklich darstellt, was es für mich persönlich bedeutet. Weg vom Konsumrausch und der fetten Schicht aus Glitzer und Plastik.

Jeder mag wohl zu Weihnachten einen anderen Zugang haben, doch das was Weihnachten wirklich ausmacht ist, seine Lieben zu sehen. Gemütliche, ruhige Stunden zu verbringen und sich auf das zu besinnen was man hat, ohne es kaufen zu müssen.

Und da hat es Puff gemacht, „sich auf das zu besinnen was man hat, ohne es kaufen zu müssen“. Als mir das klar wurde, hatte ich plötzlich Angst in den ganzen Girlanden, Keksen und Adventskalendern zu ersticken. Was ich vorher noch als -ja ist halt so- empfand, empfinde ich nun als übergriffiges Verhalten des Handels, der dem Weihnachtsfest mit allen Mitteln den wahren Wert nehmen wollte. Bei dem es nicht bald genug beginnen kann den Konsumenten zu schröpfen, und es auch keinen Punkt gibt bei dem der Konsum rein theoretisch mal genug wäre.

Ja ich weiß, es ist nichts Neues und wir leben in einer Konsumgesellschaft. Doch der Konsum ist der Konsum und Tradition ist Tradition. Und sich eine Tradition von einem übergeschnappten Konsum entzaubern zu lassen, dagegen kann man sehr wohl etwas tun.

Ich für mich habe beschlossen, zuerst vor meiner eigenen Haustüre zu kehren. Also werde ich bewusst Weihnacht erst am 24. und nicht schon Mitte November feiern. Es werden keine Kekse genascht und die Adventzeit soll eine besinnliche ruhige Zeit werden, in der ich versuche, auf weniger Weihnachtsmärke als sonst zu gehen. Und weil das ganze durch den riesen Berg an Adventkalendern ausgelöst wurde, werde ich auch bewusst auf einen Adventkalender verzichten. Ich will mich damit nicht aus unserer Gesellschaft rausnehmen, nicht falsch verstehen, ich LIEBE Weihnachten mit dem ganzen PI-PA-PO. Doch will ich für mich persönlich Weihnachten so definieren, dass es auch Weihnachten bleibt und nicht das wird, was auch immer der Handel daraus machen will.

Wie geht es euch damit? Habt ihr ähnliche Gedanken dazu? Oder könnt ihr schon jetzt nicht genug bekommen von bunten Kekstellern und den Weihnachtsklassikern?

Werbeanzeigen

2 Comments

  1. Find ich super, was du schreibst! Ich habe mittlerweile mit immer mehr Freunden/Verwandten die Abmachung, nichts Gekauftes mehr zu verschenken, sondern nur noch Zeit miteinander. Und das ist so viel schöner und wertvoller als jedes noch so teure materielle Geschenk.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s